FrauInnen, Emanzencodex und das ganze Gender-Blabla

Nette Überschrift, etwas übertrieben vielleicht, aber nett. In letzter Zeit gab es viele Diskussionen zum Thema Gleichberechtigung in meinem Online-Umfeld, angefangen bei Kommentaren auf fsinf.at, über einen Frauenräume-Thread im Informatik-Forum, bis hin zu einer Offtopic-Grundsatzdiskussion über geschlechtergerechte Sprache im Veganismus-Thread, ebenfalls im Informatik-Forum. Ich möchte hier nochmals meine Meinung zusammenfassen.

Gleichberechtigung der Geschlechter ist unser aller Ziel, darüber besteht kein Zweifel. Wie diese Gleichberechtigung allerdings umgesetzt wird, darüber scheiden sich die Geister. Ich bin der Auffassung, dass nicht nur direkte gesellschaftspolitische Maßnahmen (wie z.B. gleiches Geld für gleiche Arbeit) ergriffen werden müssen, sondern dass auch am Bewusstsein und am Denken der Menschen gerüttelt werden muss. Hier kommt die Sprache ins Spiel: Als Spiegel unserer Gesellschaft drückt sie nicht nur aktuelle Zustände aus, sondern reproduziert diese auch, soll heißen, dass sie Machtverhältnisse (in diesem Fall zwischen den Geschlechtern) aktiv in den Köpfen verankert, obwohl sich diese in Wirklichkeit vielleicht schon verändert haben. Wie sehr die Sprache (und damit unser Denken) vom generischen Maskulinum geprägt ist, zeigen mehrere Beispiele.

Ich sehe also das Problem: eine Diskrimminierung in der Sprache findet statt. Eine zufriedenstellende Lösung scheint für mich allerdings nicht in Sicht, geschlechtergerechte Sprache ist zwar schon an vielen Stellen gesetzlich vorgeschrieben, die permanente Nennung beider Geschlechtsformen verkompliziert im Alltag die Sprache aber um einiges und kann zu fast schon nicht mehr lesbaren Sätzen führen. Klar, Binnen-I und Umformulieren ist ja auch noch möglich, schafft aber nicht wirklich Abhilfe. Außerdem teilt sich dadurch die Welt in schwarz und weiß, in männlich und weiblich, also in ein binäres Geschlechtersystem, wo vielleicht Elemente aus der Queer-Theorie zu kurz kommen.

Das bringt mich zum Schluss, dass ich (zumindest zum jetztigen Zeitpunkt) gar nicht wirklich geschlechtergerecht bzw. menschengerecht formulieren kann, dass ich mich zwangsläufig nur falsch ausdrücken kann. Trotzdem möchte ich gegen den maskulinen Tunnelblick der Sprache etwas tun, möchte auf Diskrimminierungsmissstände aufmerksam machen und dabei aber auch noch meine Ausdrucksweise einfach halten.

Ich komme als zu einer Lösung, die ich aktuell praktiziere: Ich verwende ein generisches Femininum. Das bedeutet, dass ich bei unbestimmten Personenbezeichnungen nur noch die weibliche Form verwende. Ich erspare mir also immer jeweils beide Geschlechterformen anzuführen und habe trotzdem einen Aufmerksamkeitseffekt. Dazu verwende ich noch das Binnen-I, damit schneller deutlich wird, das auch das männliche Geschlecht mitgemeint ist.

Ein Beispiel:
Früher: Ein Informatiker, der keine Ahnung von freier Software hat, sollte seinen akademischen Titel verlieren.
Beide Geschlechter: Ein/e Informatiker/in, der/die keine Ahnung von freier Software hat, sollte ihren/seinen akademischen Titel verlieren.
Meine Variante: Eine InformatikerIn, die keine Ahnung von freier Software hat, sollte ihren akademischen Titel verlieren.

Auch wenn dann bei Diskussionen mit Ausdrücken wie in der Überschrift um sich geworfen wird: Zumindest ist das Thema präsent und ein paar Beteiligte machen sich vielleicht doch den einen oder anderen Gedanken über die Thematik - damit habe ich mein Ziel erreicht.

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Comments

Nun zur inhaltlichen Kritik:

> Als Spiegel unserer Gesellschaft drückt sie nicht nur aktuelle Zustände aus,

Soweit stimme ich mit dir überein.

> sondern reproduziert diese auch,

Die Sprache stellt m.E. nach lediglich ein Werkzeug dar, d.h. der Mensch beeinflusst die Sprache, aber nicht umgekehrt. Ein Ansatz bei der Sprache kann daher nicht die Ursache bekämpfen. Die Ursache liegt tiefer, in Rollenbildern, die nicht von der Sprache und schon gar nicht von einem von einer Minderheit verwendeten "Dialekt" umgestoßen werden können. Allerdings: ändern sich die Rollenbilder, wird sich das auch im Sprachverständnis niederschlagen.

> soll heißen, dass sie Machtverhältnisse (in diesem Fall zwischen den Geschlechtern) aktiv in den Köpfen verankert, obwohl sich diese in Wirklichkeit vielleicht schon verändert haben.

Nein, sie haben sich (leider) kaum geändert; um an die Ärzte-Beispiele anzuknüpfen: weibliche Ärzte werden oft genug von Patienten als Krankenpfleger angesprochen, während männliche Krankenpfleger als Ärzte angesprochen werden. An dem Krankenhaus-Rollenbild Männer = Ärzte und Frauen = Krankenpfleger ändert es nichts, wenn man von ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen spricht.

> Ich sehe also das Problem: eine Diskrimminierung in der Sprache findet statt.

Nein, eine Diskriminierung findet anhand von Rollenbildern statt; die Sprache als Werkzeug gibt lediglich die gesellschaftliche Diskriminierung wieder.

> Das bringt mich zum Schluss, dass ich (zumindest zum jetztigen Zeitpunkt) gar nicht wirklich geschlechtergerecht bzw. menschengerecht formulieren kann, dass ich mich zwangsläufig nur falsch ausdrücken kann.

Doch, das kannst du; verwende die deutsche Standardsprache. Die Sprache ist genauso diskriminierend wie die Menschen, die sie verwenden. (Bitte jetzt nicht mit "Guns don't kill people..." kommen, das ist eine ganz andere Situation.)

> Ich erspare mir also immer jeweils beide Geschlechterformen anzuführen und habe trotzdem einen Aufmerksamkeitseffekt.

Ja, allerdings einen negativen.

> Dazu verwende ich noch das Binnen-I, damit schneller deutlich wird, das auch das männliche Geschlecht mitgemeint ist.

Ich finde es recht interessant, dass gegen die Verwendung des generischen Maskulinums mit "Frauen werden nur mitgemeint" argumentiert wird (ich stimme dem übrigens nicht zu, das generische Maskulinum meint beide Geschlechter gleichermaßen), allerdings "Männer werden nur mitgemeint" offenbar ein valides Argument für "faules Splitting" ist. Warum ist "X werden nur mitgemeint" abhängig vom Wert von X (Männer/Frauen) einmal ein Argument für eine bestimmte Form und einmal ein Argument dagegen?

> Früher: Ein Informatiker, der keine Ahnung von freier Software hat, sollte seinen akademischen Titel verlieren.

Früher? Ich selber würde es weiterhin so schreiben (und einige andere auch), außerdem entspricht diese Formulierung immer noch der Sprachnorm.

> Beide Geschlechter: Eine Informatiker/in, der/die keine Ahnung von freier Software hat, sollte ihren/seinen akademischen Titel verlieren.

Richtig wäre "Ein/e" statt "Eine" als erstes Wort. Erhöht die Lesbarkeit ungemein.

> Meine Variante: Eine InformatikerIn, die keine Ahnung von freier Software hat, sollte ihren akademischen Titel verlieren.

Diese Formulierung entspricht nicht der Sprachnorm und kann daher sehr leicht zu Verwirrungen führen.

> Zumindest ist das Thema präsent und ein paar Beteiligte machen sich vielleicht doch den einen oder anderen Gedanken über die Thematik - damit habe ich mein Ziel erreicht.

Ja, sie machen sich Gedanken darüber - nur sprechen sie sich danach nicht unbedingt für geschlechtergerechte Sprache aus, sondern manchmal sogar ziemlich vehement dagegen.

Danke für die Fehlerhinweise, der Link wurde ausgebessert und beim Beispiel unten ein "/" eingefügt.

Ich sehe wir unterscheiden uns schon bei der Problemanalyse, deshalb auch die vielen gegensätzlichen Standpunkte.

Zum Thema "Mitgemeint": Ich will duch meine Methode auch provozieren, da wird dann in umgekehrter Weise so richtig klar, wie schlecht das Argument "Mitgemeint" funktioniert. Zur Erinnerung: Ich kann es nicht richtig machen, deshlab mache ich es lieber auffallend falsch.

Ich hab mir kürzlich mal wieder den Mund zu dem Thema fusslig geredet (im RL, nicht im Informatik-Forum) und bin froh, dass du es schaffst, deine Gründe für die sog. geschlechtergerechte Sprache vernünftig zu formulieren. Das ist mehr, als ich von vielen anderen bisher gesehen habe.

Ich kann dir aber eigentlich nirgendwo zustimmen, außer natürlich darin, dass Gleichberechtigung der Geschlechter (und damit ist natürlich nicht die egal wie geartete Bevorzugung oder "Besserbehandlung" der Frau gemeint) unser aller ultimatives Ziel sein sollte.

Davon abgesehen bestätigst du nur, was ich mir jedes Mal bei diesen Diskussionen denke, nämlich, dass dass du, und deine Mitstreiter, die deutsche Sprache einfach nicht kapiert habt.

Der Vollständigkeit halber, und weil ich nicht schon wieder selbst argumentieren will, möchte ich einen (inzwischen 2 Jahre alten) Artikel verlinken, den ich allen Verfechtern und -innen dieser Sprachvergewaltigung zu lesen gebe (auch wenn es eigentlich nie jemand tut), und der hoffentlich auch in den Diskussionen im Informatik-Forum schon angesprochen wurde: [1]

Widerspiegelt eigentlich in jedem Satz meine Ansicht zum Thema, und bisher konnte mir noch niemand in schlüssiger und vernünftiger Weise Gegenargumente bringen, denen ich zustimmen könnte.

http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm

> Zur Erinnerung: Ich kann es nicht richtig machen, deshlab mache ich es lieber auffallend falsch.

Du kannst es wohl richtig machen. Die deutsche Sprache hat (zu einem sehr großen Teil) sehr genau definierte Regeln, wie man sie zu verwenden hat. Jeder aktuelle Duden (und auch das Österreichische Wörterbuch) widmet diesen Regeln etwa 100 Seiten.

@daff:

Sorry für die späte Antwort, danke für den Link. Ich kann dem Inhalt dort sogar großeils zustimmen, eine gewisse "Sprachzerstörung" sehe ich durch die konventionelle geschlechtergerechte Schreibweise auch.

Jetzt kommt mein großes, fettes ABER: Nur weil eine Lösung des Problems nicht wirklich gut funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es kein Problem gibt. Diskriminierung in der Sprache ist für mich offensichtlich (es gibt ja genug Beispiele dafür), deshalb kann ich es nicht ignorieren und begegne dem Ganzen auf mene Weise

> Sorry für die späte Antwort, danke für den Link. Ich kann dem Inhalt dort sogar großeils zustimmen, eine gewisse “Sprachzerstörung” sehe ich durch die konventionelle geschlechtergerechte Schreibweise auch.

Die konventionelle Schreibweise _ist_ die (Standard)sprache. Wie soll sie sich selber zerstören?

> Jetzt kommt mein großes, fettes ABER: Nur weil eine Lösung des Problems nicht wirklich gut funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es kein Problem gibt. Diskriminierung in der Sprache ist für mich offensichtlich (es gibt ja genug Beispiele dafür), deshalb kann ich es nicht ignorieren und begegne dem Ganzen auf mene Weise

Ich denke, du verwechselst hier Diskriminierung _in_ der Sprache und Diskriminierung _mit_ der Sprache.

Das ganze macht natürlich einen ganz besonders intelligenten Eindruck, wenn man jetzt alles umdreht.
Man wird den Inhalt garnicht mehr beachten, sondern nur mehr über die Genderweise lachen.....das ist alles !
Ich denke nebenbei, dass es auf der Welt wirkliche Probleme gibt, Gendern ist definitv keines, sondern ein reines Hinrwichsen, der Fetish der Linken und LinkInnen und Linkinnen und auch der Linkn...;-)

Ist links sein jetzt böse oder was? Besser rechts sein oder wie? "Gendern" wie du es so schön nennst, ist längst zur wissenschaftlichen Disziplin geworden und wird vom Staat, von der TU und vielen anderen Institutionen anerkannt und praktiziert. Das nur der Vollständigkeit halber, denn eigentlich weiß ich nicht, was ich auf deinen inhaltlich recht kargen Kommentar antworten soll.