Klitoris - die schöne Unbekannte

Ich habe den spannenden Themenabend "Jetzt Onanie!" auf arte gesehen, wo es um Selbstbefriedigung und Sexualität ging. Besonders interessant war ein Beitrag zum weiblichen Sexualorgan schlechthin: der Klitoris. Seien wir ehrlich: Wer weiß schon wirklich wie sie funktioniert? Das liegt vor allem daran, dass die weibliche Sexualität nur schlecht erforscht und dokumentiert ist, und dass erst allmählich neue Erkenntnisse aus der Forschung gewonnen werden.

Dazu gehört:

  • Wahrscheinlich gibt es gar keinen vaginalen Orgasmus, sondern nur den klitoralen, mit dem Unterschied, dass die Klitoris an einer anderen Stelle gereizt wird, weil sie (als ganzes) viel größer ist, als bisher angenommen (und von außen sichtbar ist).
  • Der Zweck der Klitoris (als Organ) dient einzig und allein dem Lustgewinn
  • Der weibliche Orgasmus muss bei einigen Frauen erst erlernt werden, wird dann aber nie mehr vergessen (Vergleich mit Fahrrad fahren)

Eigentlich krank: Wir leben in einer übersexualisierten Gesellschaft, wo plumpe Erotik und der idealisierte Geschlechtsakt aus allen Medien ragen, und trotzdem bleibt das eigentliche Thema Sexualtität tabu. Selbstbefriedigung - tabu. Homosexualität - tabu. Kinder werden über den biologischen Fortpflanzungsmechanismus aufgeklärt, aber ein Organ wie die Klitoris bleibt ... richtig, tabu. Sexualität mit all ihren Verflechtungen wird an den Schulen nicht gelehrt, und dennoch wird später perfekter Sex und perfektes Sexualverhalten von den Leuten erwartet. Aufklärung über praktische Sexualität wäre dringend notwendig.

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Comments

War klar, dass sowas kommt. Es wäre schließlich wirklich verdammt schlimm, wenn ich mit meinen 24 Jahren noch Jungfrau wäre. Aber hey, am besten überspielt man seine eigene sexuelle Unsicherheit, wenn man in die Offensive geht mit Fragen wie "Was, bist du etwa noch Jungfrau?". Wie gesagt, ich kann es dir bei dieser gesellschaftlichen Erwartungshaltung nicht verdenken.

> Sexualität mit all ihren Verflechtungen wird an den Schulen nicht gelehrt, und dennoch wird später perfekter Sex und perfektes Sexualverhalten von den Leuten erwartet. Aufklärung über praktische Sexualität wäre dringend notwendig.

Es gibt doch ohnehin Lernpaare/Lerngruppen von Schülern zu diesem Thema, allerdings finden diese eher außerhalb der Schule statt. ;)

Scherz beiseite, wie stellst du dir einen solchen Schulunterricht vor?

Mir ist klar, dass man das Thema Sexualität in der Schule nur theoretisch abhandeln kann, was aber umso wichtiger wäre, damit der spannende und interessante praktische Forschungsdrang auf solide Beine gestellt wird. Ich bin kein Sexualpädagoge, aber spontan würde ich vorschlagen:
1) praktische Sexualität, Aufklärung über
* Petting
* Vaginalverkehr
* Analverkehr
* Oralverkehr
* Stellungen
* BDSM
* Risiken/HIV/Verhütung/Fortpflanzung
2) Lust
* erogene Zonen
* Penis, Klitoris, A-Punkt, G-Punkt etc.
* Stimulation und Kommunikation
3) Selbstbefriedigung
* Normalisierung
* Unterschiede Mann/Frau
* positive Effekte
* Suchtverhalten
4) Homosexualität
* Homophobie
* Heteronormativität
* Vergleich mit Tierwelt

Ich glaube mir würde noch viel mehr einfallen ...

Man kann doch nicht alles in die Schule verlegen, ffs! Da ist ein bischen Verantwortung von den Eltern gefordert. Und natürlich der eigene Forscher-/Experimentiertrieb... :-)

Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass extrem viele Wörter für das weibliche Geschlechtsorgan negativ besetzt sind (z.B. Muschi, Pussy, Fut, Fotze,etc.) bzw. dass es im Allgemeinen keine wirklich liebevollen, zärtlichen, allgemein gebräulichen Ausdrücke für Geschlechtsorgane gibt? (Scheide ist sehr distanziert, Spalte klingt nach einem deutschen Billigporno, und Fut nach Pseudo-Gangster alla Bushido, etc.)