Der Nationalsozialismus und ich

Oft erwähnt, oft für Beispiele herangezogen (siehe auch Godwins Law), gut dokumentiert und wohlbekannt: der Nationalsozialismus. Wir alle wissen was in den Dreißiger Jahren und im zweiten Weltkrieg passiert ist, es wurde uns in der Schule beigebracht und von der älteren Generation überliefert. Wir wissen auch wie es dazu gekommen ist, zumindest ungefähr. Die Frage "Wie konnte das nur passieren?" steht für mich trotzdem immer noch im Raum, die Frage "Wie können wir verhindern, dass so etwas jetzt und in Zukunft nicht mehr passiert?" scheint mir auch viel zuwenig oft diskutiert worden.

Für mich liegt die Wurzel allen Übels bei totalitären Regimen und deren Entstehung. Medienwirksames Ausnutzen von Ängsten, Macht durch Einschüchterung und Gewalt sowie völlige Kontrolle über die BürgerInnen sind nur einige Anzeichen, die nicht nur im Nationalsozialismus vorhanden waren. Irgendwo in diesem Thema passt auch der Begriff Faschismus, die geneigte LeserIn möge sich selbst die spitzfindigen Unterschiede zu Gemüte führen. Was ich aus der Geschichte mitnehmen möchte, ist eine Widerstandshaltung gegenüber allen totalitären Tendenzen, die uns heute hie und da in unserer Gesellschaft begegnen. Vorratsdatenspeicherung, Überwachung, Urheberrecht sind nur ein paar Schlagworte, die vielleicht dazu passen.

Wir müssen uns vor allem bewusst sein, dass Widerstand um jeden Preis notwendig ist, um eine (zur Zeit fiktive) totalitäre Entwicklung aufzuhalten. Um jeden Preis bedeutet, das eigene Wohlergehen, das eigene Leben, ja vielleicht sogar die eigene Familie und Freunde dürfen niemals als Druckmittel zugelassen werden. Gewaltandrohung, welcher Art auch immer, darf Menschen nicht dazu bewegen, selbst in einem System der Gewaltausübung mitzuarbeiten. Im Extremfall muss jede selbst entscheiden, wie weit sie sich und ihr Umfeld beschützen kann, wann vielleicht Flucht angebracht bzw. möglich ist, und wie Widerstand am effektivsten umgesetzt werden kann. Gewalt gegen die Menschenwürde, gegen die Menschlichkeit selbst, muss mit allen Mitteln aufgehalten werden.

Wenn jede diesen Gedanken im Kopf behält, dann kann die Maschinerie des Totalitarismus gar nicht erst richtig anspringen. Und wenn es nur wenige im Kopf behalten, dann kann ein solches System umso schneller gestürzt werden.

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Wie es dazu kommen konnte, wird einem recht klar, wenn man mit älteren Leuten redet, die die 30er-Jahre noch als Jugendliche mitgemacht haben: Die hohe Arbeitslosigkeit, große Armut, Hunger, schwache Wirtschaft (Reparationszahlungen), Perspektivlosigkeit - individuell und als Nation (die Friedensverträge von St. Germain etc.). Und da kommt plötzlich einer, der den Leuten alles verspricht, der ihnen Arbeitsplätze gibt. Nun konnte der größte Teil der Menschen einfach nicht sehen, in welche unglaubliche Katastrophe dies letztendlich führen sollte. Oder man wollte es nicht sehen, weil man dachte, alles wäre besser als der status quo. Dann noch die üblichen Muster - Schaffung von Feindbildern (Juden, Zigeuner, Homosexuelle, Behinderte etc.), um die Leute unterschiedlicher politischer Ausrichtung zu einen. Und anfangs war ja tatsächlich eine Besserung der Lage da. Nur um welchen Preis, das wurde erst später verstanden, als es viel zu spät war, um noch etwas dagegen zu unternehmen.

Wie man so etwas verhindern kann? Ich bin inzwischen der Auffassung, gar nicht. Geschichte wiederholt sich immer zweimal: Einmal als Tragödie und dann als Farce.

Immerhin sind heute die wirtschaftlichen Strukturen in Europa dank der EU viel besser vernetzt und gefestigt - und letztlich war die EU ursprünglich neben der Wirtschaftsunion ja auch als Friedensprojekt angelegt ("Nie wieder Krieg auf diesem Kontinent!").